Warum der Kasachstan-Roundtable in Zürich die wichtigste Chance verpasste
Wenn es um internationale Netzwerkanlässe geht, herrscht meist dasselbe Bild: Adrett gekleidete Teilnehmende, Namensschilder an der Brust, stramme Zeitpläne und die Hoffnung, schnell Dienstleistungen zu verkaufen oder Aufträge zu sichern. Kürzlich war ich beim Wirtschaftsforum – der Handels- und Wirtschaftsmission der Republik Kasachstan in der Schweiz – bei Switzerland Global Enterprise (S-GE) in Zürich zu Gast.


Ein Termin, der auf dem Papier mit Vorträgen, Reden, aber ohne Fragen und Diskussionen. Die Präsentationen der Unternehmen in 5 Minutentakt. Ein Programm oder Broschüren braucht es nicht mehr und wegen Datenschutz gibt es keine Teilnehmerlisten mehr.
Anschliessend B2B-Gespräche in Apèro Atmosphäre, niemand konnte sich vorbereiten. Die Gesprächspartner hat vorher niemand gekannt. Und die Delegation hastet zum Flughafen, statt sich für das Land und mögliche Geschäftspartner wirklich Zeit zu nehmen.
Wenig nachhaltiger Wert. Großkonzerne und staatliche Akteure nutzen solche Bühnen vorrangig zur Selbstdarstellung. Es gibt kaum echten Diskurs über Zukunftsvisionen, keine tiefen Diskussionen und schon gar keine Zeit, um Kultur oder Tourismus als wesentliche Brücken zwischen unseren Ländern überhaupt anzusprechen. Der Tourismus – ein Wirtschaftszweig mit enormem Potenzial und der direkteste Weg zur menschlichen Annäherung – wird bei solchen Events konsequent links liegen gelassen.
Was ein echtes Netzwerk ausmacht
Ein echtes Netzwerk entsteht nicht durch das hastige Tauschen von Visitenkarten in der Kaffeepause. Es entsteht durch persönliche Beziehungen, durch Vertrauen und durch Zeit.
Netzwerken bedeutet für mich, sich auf Augenhöhe zu begegnen – bedingungslos, offen und großzügig. Es erfordert den Mut, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und auch abseits der reinen Zahlenräume Kontakte zu knüpfen.
Ein Plädoyer für neue Wege auf Kasachstan.reisen
Kasachstan ist ein Land mit beeindruckender Kultur, überwältigender Natur und einer tief verwurzelten Gastfreundschaft. Wer dieses Land und seine Wirtschaftspotenziale wirklich verstehen will, muss den Schritt aus dem Tagungsraum wagen.
Wir müssen aufhören, Begegnungen nur nach ihrem sofortigen finanziellen Ertrag zu messen. Es braucht Formate, die Raum für echten Austausch schaffen. Sei es durch Tourismus, Kulturprojekte oder schlichtweg Zeit für unverkrampfte Gespräche.
Wenn wir in Zukunft wieder echte Brücken zwischen der Schweiz und Kasachstan bauen wollen, müssen wir die Stoppuhr bei Netzwerktreffen endlich ausschalten. Denn echte Beziehungen wachsen dort, wo man verweilt – und nicht dort, wo man nach 60 Minuten wieder zum Flieger hetzt.
